Wohin die Reise geht

Inge Wunderlich, Die Iranerin M.M., 1960/70
Mischtechnik auf Hartfaser

Die Iranerin M.M. ist Titel eines Gemäldes von Inge Wunderlich und derzeit Teil der Ausstellung Bilderkosmos Leipzig 1905-2022 im Museum der Bildenden Künste. Auf diesem ist eine Frau, vermutlich die Treppen des Leipziger Hauptbahnhofes Richtung Ausgang hinabsteigend, zu sehen. In ihrer Handtasche steckt eine Zeitschrift mit den Lettern NBI1 und ein Regenschirm. Beim Regenschirm bleibe ich hängen.

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Ich bin nie in Lohme gewesen

Oben auf der Insel Rügen hat die Werksleitung eine alte Scheune gekauft. Diese wurde abgerissen und darauf ein neues Gebäude errichtet. Dort konnten wir Urlaub machen. Es wurde einiges getan, dass man günstig verreisen konnte. Das haben viele in Anspruch genommen. Nicht mehr zu vergleichen mit heute. Das Soziale war gut. Wir hatten Vollverpflegung. Das Mittagessen wurde sogar bis an den Strand gefahren. Da hatten die am Waldrand so Tische und Bänke gezimmert. Wir sind aus dem Wasser raus, über die Düne und zum Mittagessen.

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Einwurf 12

Schirmstabspitzen werden mit einer Zweitrittmaschine angespitzt. Mit Treten des linken Fußes wird der Lifterhebel angehoben, der Faden abgeschnitten und der Fadenvorschub gewährleistet. Mit dem rechten Fußtritt wird der Nähprozess eingeschaltet: Ich trete links, stecke die Schirmstabspitze mit dem Loch senkrecht zur Nadel auf den Stift. Jetzt lege ich den Saum über das Loch der Schirmstabspitze, die Ecke zeigt dabei nach hinten. Der linke Fuß geht in die Ausgangsstellung zurück. Anschließend trete ich rechts, der Nähprozeß wird eingeschaltet und die Nadel führt entsprechend der Steuerscheibe ihre Bewegung aus und geht in die Ausgangsstellung zurück. Nun trete ich links und kann die angespitzte Schirmstabspitze entnehmen. Die anderen Ecken werden ebenfalls noch angespitzt.

[Das Anspitzen von Schirmstabspitzen- Auszug aus den Unterlagen der ehemaligen Lehrausbilderin Frau Munzert]



Zweite Schicht

Wir haben mit den Vietnamesen die zweite Schicht gemacht. Die ging von 14 bis 22 Uhr. Wir haben immer im Plandefizit gelegen und darum hat man 1987 die Vietnamesen zum Arbeiten rübergeholt. Am Berg lang haben sie gewohnt. Sie hatten keinen weiten Weg nach Hause.

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Über Zufälle

2011 war ich mit dem Institut für wahre Kunst auf einer Studienreise in Murmansk. Wir organisierten einen Workshop mit dem Titel Zufall als Strategie in der zeitgenössischen Kunst. Was ist wenn Zufall strategisch eingesetzt wird, quasi als Mittel zum Zweck? Aber kommt der Zufall nicht plötzlich, wie aus heiterem Himmel? Ich bin noch unschlüssig.
Wenn ich um eine gewisse Uhrzeit über den Markt spaziere, würde ich das als strategisch bezeichnen. Dass ich dort Passanten treffe, die wiederum den Gegenstand meines Interesses mit sich tragen, könnte man der Wahrscheinlichkeit nach berechnen. Aber dass ich eine Person mit einem Schirmbeutel treffe, deren Cousin in der Schirmfabrik gearbeitet hat und mit dem ich mich letztens zum Interview traf, würde ich 100% als Zufall bezeichnen.

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Notizen

15.1.2020:
Dritter Besuch im Staatsarchiv Chemnitz. Aus einem Bericht zur Erarbeitung einer mittelfristigen Exportstrategie für den Kombinatsbetrieb VEB Schirmfabrik Karl-Marx-Stadt vom 27.11.1987, entnehme ich, dass 30 vietnamesische Arbeitskräfte im Konfektionswerk III in Adorf beschäftigt werden sollen. Dadurch sollen in den Jahren 1989/1990  mehr Schirme produziert werden, um auch den Bedarf für die Binnenversorgung zu decken.
In einem anderen Dokument über die Führung zum sozialistischen Wettbewerb zu Ehren des 40. Jahrestages der DDR im Jahr 1989 lese ich, das aufgrund steigender Nachfrage nach modischen Regenschirmen und des ständiges Rückganges von Arbeitskräften1 1989 weitere 20 vietnamesische Arbeitskräfte zum Einsatz gebracht werden sollen.

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