Auf ein Wiedersehen

Kurz vor 14Uhr warten bereits einige Frauen mit aufgespannten Schirmen vor dem Vereinshaus in Adorf. Seit heute morgen regnet es, schrieb ich schon mal in einem Beitrag für die Website am 3.März 2020. Es war das erste Treffen mit Frauen, die in dem Betriebsteil Adorf des VEB Schirmfabrik Karl-Marx-Stadt gearbeitet haben. Damals erzählte ich der Runde, dass ich seit Dezember eine Art Tagebuch mit Aufzeichnungen und Gesprächsnotizen führe und diese in einem Blog mit dem Titel „Adorfer Frauen –Spurensicherung“ veröffentlichen werde. Mittlerweile gibt es dort über sechzig Einträge.
Heute ist es ein Wiedersehen.

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Nachlass

Näherinnen im Betriebsteil Adorf. 28 Arbeitsplätze, in der Mitte das sogenannte Transportumlaufband, welches die Kästen mit den Päckchen zugeschnittener dreieckiger Schirmstoffteile an die Arbeitsplätze der Frauen transportierte. Ich zähle 22 Frauen beim Nähen der Schirmbezüge. Sechs unbesetzte Plätze. Rückseitig Informationen zum Fotograf. Foto Brückner, Karl-Marx-Stadt/Borna.

Aus dem Nachlass einer ehemaligen Arbeiterin des VEB Schirmfabrik Karl-Marx-Stadt.

Den Bach runter

Das war ja auch ein wenig unheimlich. Die Bäume wuchsen aus dem Dach heraus. Meine Schwester wohnt noch oben im Elternhaus in Adorf und ich bin stets hier vorbeigefahren. Und jedes Mal, was wird denn aus der Fabrik noch werden? Erst haben wir auch gesagt, so ein großes Gebäude kann doch gar nicht leer stehen. Alles musste gehen, alles. Bis es eben dann verfiel. Ja.

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Keinen Plan mehr

Auf dem Sozialistischen Wirtschaftsgebiet war die Messe für uns sehr erfolgreich, zumal unsere Staatliche Auflage 1989 voll mit Aufträgen untersetzt werden konnte, wenn man die vorbereiteten Verträge mit einbezieht. Es zeichnete sich weiter ab, dass der Bedarf der sozialistischen Länder in Schirmen und an Schirmgestellen nicht voll befriedigt werden kann. Das betrifft besonders die Länder ČSSR, Polen und Ungarn, was darauf schließen lässt, dass auch 1990 keine Absatzprobleme eintreten werden. 1

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Kollektiv: Eine unter Gleichen

Also, es war im Prinzip durch die Leistung der einzelnen Kollegen so errechnet, das wir 8500 Schirme am Tag machen konnten. Setzte natürlich voraus, dass jeder Maximalleistung brachte und das alles Material vorhanden war, was wir gebraucht haben. Damit war die Stückzahl möglich. Es gab aber auch Probleme, wie in jedem anderen Betrieb auch.

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Wohin die Reise geht

Inge Wunderlich, Die Iranerin M.M., 1960/70
Mischtechnik auf Hartfaser

Die Iranerin M.M. ist Titel eines Gemäldes von Inge Wunderlich und derzeit Teil der Ausstellung Bilderkosmos Leipzig 1905-2022 im Museum der Bildenden Künste. Auf diesem ist eine Frau, vermutlich die Treppen des Leipziger Hauptbahnhofes Richtung Ausgang hinabsteigend, zu sehen. In ihrer Handtasche steckt eine Zeitschrift mit den Lettern NBI1 und ein Regenschirm. Beim Regenschirm bleibe ich hängen.

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Ich bin nie in Lohme gewesen

Oben auf der Insel Rügen hat die Werksleitung eine alte Scheune gekauft. Diese wurde abgerissen und darauf ein neues Gebäude errichtet. Dort konnten wir Urlaub machen. Es wurde einiges getan, dass man günstig verreisen konnte. Das haben viele in Anspruch genommen. Nicht mehr zu vergleichen mit heute. Das Soziale war gut. Wir hatten Vollverpflegung. Das Mittagessen wurde sogar bis an den Strand gefahren. Da hatten die am Waldrand so Tische und Bänke gezimmert. Wir sind aus dem Wasser raus, über die Düne und zum Mittagessen.

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