Über Zufälle

2011 war ich mit dem Institut für wahre Kunst auf einer Studienreise in Murmansk. Wir organisierten einen Workshop mit dem Titel Zufall als Strategie in der zeitgenössischen Kunst. Was ist wenn Zufall strategisch eingesetzt wird, quasi als Mittel zum Zweck? Aber kommt der Zufall nicht plötzlich, wie aus heiterem Himmel? Ich bin noch unschlüssig.
Wenn ich um eine gewisse Uhrzeit über den Markt spaziere, würde ich das als strategisch bezeichnen. Dass ich dort Passanten treffe, die wiederum den Gegenstand meines Interesses mit sich tragen, könnte man der Wahrscheinlichkeit nach berechnen. Aber dass ich eine Person mit einem Schirmbeutel treffe, deren Cousin in der Schirmfabrik gearbeitet hat und mit dem ich mich letztens zum Interview traf, würde ich 100% als Zufall bezeichnen.

Ich sehe eine Frau mit einem Schirmbeutel den Kaufhof betreten. Ich folge ihr. Sie nimmt die Rolltreppe in die 1.Etage und biegt rechts ab.
An einem Kleiderständer macht sie halt. Ich warte kurz und frage sie schließlich nach ihrem Beutel. Sie hat ihn selbst genäht!
Die Stoffteile hat sie von ihrem Cousin.

Er arbeitete in der Schirmfabrik als Ingenieur und wohnt in Siegmar. Sie holt noch einen zweiten Beutel mit dem gleichen Muster aus der Tasche. Ich erzähle ihr von meiner Arbeit und frage, ob sie Internet nutzt. Sie verneint, aber ihr Cousin geht damit um. Ich nenne ihr die Internetadresse. Gleichzeitig frage ich sie, ob es sich bei ihrem Cousin nicht zufällig um Herrn Endmann handelt. Sie bejaht und wir freuen uns fast ungläubig über diesen Zufall. Ich erzähle ihr, dass ich ihn gemeinsam mit Frau Harzendorf, seiner ehemaligen Kollegin aus der Schirmfabrik, im Februar interviewt habe. Ihren Cousin hat sie erst letzte Woche gesehen. Heute Abend will sie ihn aber gleich noch mal anrufen.

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