Gefährten

Gefährten, seit 2020

Ich habe heute wieder drei Beutel erwischt. Der Chemnitzer Markt bietet sich geradezu an. Viele freuen sich, wenn ich frage, ob ich ihren Beutel fotografieren darf. Es sind herzliche Begegnungen. Viele tragen die Beutel aus praktischen Gründen, weil man sie waschen und bügeln kann. Sie passen in jede Tasche. Eine Frau trägt den Beutel ihrer gerade verstorbenen Mutter, eine Andere bekam ihn von einer Nachbarin geschenkt, die in dem VEB Schirmfabrik Karl-Marx-Stadt gearbeitet hat. Einmal traf ich zufällig eine Frau, die selbst als Näherin dort tätig war. Ein Mann, der seinen Beutel fürs Zeitung holen benutzt. Der Beutel wäre so alt wie er. Eine Frau, die aus ihrer Tasche noch einen zweiten Beutel holt und sagt: „In den 90ern hat man uns ausgelacht.“ Die Beutel waren ein Mitbringsel von Arbeitskollegen, die wiederum hätten sie von Bekannten aus der Schirmfabrik. Der ist noch aus DDR-Zeiten, höre ich oft sagen. Eine Frau sagt, dass man diese Beutel überall bekam. Der Beutel ist 30 Jahre alt. Oft werden, wie aus einem Zauberhut, gleich mehrere Beutel aus der Tasche gezogen und mir gezeigt. Eine der Frauen meint, dass sie schon einmal wegen dem Beutel angesprochen wurde und ich frage, ob Sie da nicht mit ihrer Enkelin unterwegs war. Ich zeige ihr eine meiner ersten Aufnahmen und sie erkennt ihren Beutel wieder. Sie hat noch andere Beutel und ist einmal im Monat in Chemnitz auf dem Markt. Ich verabschiede mich und hoffe, dass wir uns noch einmal begegnen.