{"id":678,"date":"2021-06-06T14:14:26","date_gmt":"2021-06-06T14:14:26","guid":{"rendered":"https:\/\/adorferfrauen.de\/?p=678"},"modified":"2024-05-08T09:52:06","modified_gmt":"2024-05-08T09:52:06","slug":"immer-an-der-schirmfabrik-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/adorferfrauen.de\/?p=678","title":{"rendered":"Immer an der Schirmfabrik vorbei"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Meine Erinnerungen an die Schirmfabrik<\/em><br><em>Als ausgebildete Kinderg\u00e4rtnerin arbeitete ich von 1968 bis zum Ende meiner beruflichen T\u00e4tigkeit 2001 als Gruppenerzieherin im Kindergarten Adorf. Der Kindergarten befand sich damals wie heute in der ehemaligen K\u00f6hler-Villa unmittelbar neben der Schirmfabrik. Viele M\u00fctter der Kinder, die ich betreute, arbeiteten in der Schirmfabrik. Es gab deshalb viele Kontakte zwischen der Schirmfabrik und dem Kindergarten. Wie damals \u00fcblich gab es Patenbrigaden. Ich hatte \u00fcber sehr viele Jahre, m\u00f6glicherweise waren es weit mehr als zehn Jahre, mit meinen Kindergartengruppen immer die Lehrlinge, betreut von Frau Munzert, als Patenbrigade. Es gab mehrmals im Jahr gegenseitige Besuche. Wir waren zum Internationalen Frauentag in der Schirmfabrik, aber auch zu anderen Anl\u00e4ssen.<br>Den Kindern bereitete es Freude, das Gelernte, z.B. Gedichte, Lieder und M\u00e4rchenspiele darzubieten. Bei den Bastelarbeiten, als Geschenke f\u00fcr die Patenbrigade, gaben sie sich besonders viel M\u00fche. Die Gegenbesuche waren ebenfalls H\u00f6hepunkte im Kindergartenalltag. Die Kinder freuten sich jedes Mal \u00fcber die Geschenke (z.B.: Handpuppen und Turnbeutel aus Schirmstoffresten). Die Zusammenarbeit lief sehr harmonisch ab. F\u00fcr die Kinder waren die Besuche immer ein sch\u00f6ner Ansporn. Sie halfen auch mir in meiner Arbeit als Erzieherin.<br>A. S., 1.3.2020<\/em><\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Kristin lernte ich zur Er\u00f6ffnung der Pochen-Biennale im Oktober 2020 kennen. Dort zeigte ich in Kunstharz gegossene Schirmgestelle. Wie sich herausstellte, hatte ich bereits mit Kristins Mutter \u00fcber deren T\u00e4tigkeit als Schirmn\u00e4herin gesprochen. Kristin und ich verabredeten uns f\u00fcr ein Treffen in meinem Atelier.<br>Der Weg zum Kindergarten ging an der Schirmfabrik vorbei, erz\u00e4hlt Kristin. Die Fabrik stand dort, wo jetzt der Motorradladen ist. Der Kindergarten befindet sich immer noch auf dem benachbarten Grundst\u00fcck. Ich sehe das Spielzimmer und was wir bei Frau S. gelernt haben: Fugenbau mit Bausteinen zum Beispiel oder irgendwelche Bastelsachen. Frau S. konnte immer tolle Dinge falten und wenn wir geschlafen haben, hat sie meist was vorbereitet.<br>Auch mein Schulweg f\u00fchrte an der Schirmfabrik vorbei. Mir erschien der rote Backsteinbau mit Schornstein, Pf\u00f6rtnerhaus und gro\u00dfen Fenstern riesig. Heute kommt es mir vor, als h\u00e4tte die Fabrik nie dagestanden. Das Grundst\u00fcck wirkt viel kleiner. <br>Damals sah man an der Bushaltestelle viele junge Frauen. Einige von denen waren sehr schick. Zumindest empfand ich das als 8j\u00e4hrige so. Dann gab es Frauen, die standen mit ihren Kindern dort. Besonders interessant fanden wir die jungen M\u00e4dels, wahrscheinlich waren es Lehrlinge.<br>Wenn wir mal ganz mutig waren, schlichen wir nach der Schule hinten rum auf das Gel\u00e4nde der Schirmfabrik. Da rein zu gehen war auf jeden Fall immer spannend.<br>Vielleicht ein- oder zweimal suchte ich meine Mutter in der Fabrik auf, wahrscheinlich weil ich Geld f\u00fcr den Konsum brauchte. Mit einer Schulfreundin klingelte ich beim Pf\u00f6rtner. F\u00fcr die Mutter meiner Freundin, die in der Mechanik arbeitete, war es leichter sich vom Arbeitsplatz zu entfernen, weil sie nicht nach Leistung entlohnt wurde. Bei meiner Mutter war es problematischer. Wenn sie vom Band weg musste, verdiente sie kein Geld.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<figure class=\"wp-block-image is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"375\" height=\"500\" src=\"https:\/\/adorferfrauen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/brustbeutel_kristin.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-680\" srcset=\"https:\/\/adorferfrauen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/brustbeutel_kristin.jpg 375w, https:\/\/adorferfrauen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/brustbeutel_kristin-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 85vw, 375px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto: Kristin Uhlig<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich frage Kristin, ob sie noch Dinge aus der Schirmfabrik besitzt.<br>Ich habe heute noch eine kleine Tasche und einen Brustbeutel, den meine Mutter gen\u00e4ht hat. Anderes ist weggeflogen. Das ist bedauerlich, weil ja viel Arbeit drin steckte. Darunter leider auch ein Rucksack. Noch vor der Wende fuhr ich ins Pionierlager nach Polen. F\u00fcr die Reise dahin brauchten wir einen Rucksack. Meine Eltern haben versucht, einen zu kaufen. Man konnte ihn nur bestellen. Als der Rucksack aber drei Wochen vor Fahrt immer noch nicht da war, n\u00e4hte meine Mutter aus roten Schirmteilen einen Rucksack mit Innentasche, mit Rei\u00dfverschluss, mit Seitentaschen und verstellbaren Tr\u00e4gern. Drei Tage vor der Reise kam der bestellte Rucksack, aber ich habe selbstverst\u00e4ndlich den von meiner Mutter genommen! Da freut sie sich heute noch.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Erinnerungen an die SchirmfabrikAls ausgebildete Kinderg\u00e4rtnerin arbeitete ich von 1968 bis zum Ende meiner beruflichen T\u00e4tigkeit 2001 als Gruppenerzieherin im Kindergarten Adorf. 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