{"id":562,"date":"2021-02-09T11:21:00","date_gmt":"2021-02-09T11:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/adorferfrauen.de\/?p=562"},"modified":"2024-05-08T09:41:23","modified_gmt":"2024-05-08T09:41:23","slug":"von-ecken-und-dreiecken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/adorferfrauen.de\/?p=562","title":{"rendered":"Von Ecken und Dreiecken"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich nutze hin und wieder Ebay, um nach Dingen, die mit der Schirmfabrik in Zusammenhang gebracht werden k\u00f6nnen, zu schauen. Ein Angebot l\u00e4sst mich staunen: Es werden <em>Beutelecken<\/em> zum Kauf angeboten. Der Startpreis liegt bei 2,50\u20ac und die Laufzeit betr\u00e4gt noch 6 Tage. Ich beschlie\u00dfe zu warten.<\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Die Auktion endet und ich kann kaum glauben, dass jemand auf dieses Angebot bietet. Ich \u00fcberlege mir meinen vorl\u00e4ufigen H\u00f6chstpreis und werde in knappen Schritten \u00fcberboten. 19.21Uhr endet die Auktion und ich logge mich 19.15 Uhr ein, um meinen Preis zu erh\u00f6hen. Ich best\u00e4tige in den letzten 30 Sekunden und bin H\u00f6chstbietende. Ich schreibe dem Verk\u00e4ufer eine Mail, um nach der Herkunft des Angebotes zu fragen. Die Ecken sind von seiner Mutter, sie hatte Beutel daraus gen\u00e4ht. Zwei Tage sp\u00e4ter erhalte ich von dem gleichen Verk\u00e4ufer eine Nachricht. Er unterbreitet mir ein anderes Angebot: In einem Karton befinden sich noch mehr unterschiedlich farbige Ecken, ob ich Interesse daran h\u00e4tte. Ich muss nicht lange \u00fcberlegen, nachdem er mir ein Foto geschickt hat. Wir einigen uns auf einen Preis.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"656\" height=\"368\" src=\"https:\/\/adorferfrauen.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/ecken_1.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-1273\" style=\"width:328px;height:184px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei den Ecken handelt es sich um zugeschnittene Schirmteile, die aus Gr\u00fcnden aussortiert und nicht mehr zu einem Schirm verarbeitet wurden.<br>Frau Lehmann, die 1973 zuerst als Durchseherin in der Schirmfabrik begann, erz\u00e4hlt bei unserem Treffen, dass die zugeschnittenen Dreiecke, erstmal nach Gr\u00f6\u00dfe und Muster sortiert werden mussten. Wir haben jedes Teil einzeln gegen das Licht gehalten. Am g\u00fcnstigsten war Tageslicht (keine Sonne). Wir hatten aber auch eine hinterleuchtete Glasplatte. Fehlerhafte wurden aussortiert oder waren 2.Wahl. Wichtig war darauf zu achten, dass der Kranz, der sp\u00e4ter an der Krone sitzen sollte, eine sch\u00f6ne Spitze darstellte, sagt sie. Acht Teile ergaben einen Schirmbezug. Diese wurden dann geb\u00fcndelt und gingen anschlie\u00dfend zum N\u00e4hen.<br><br><em>Unter dem Arbeitsgang Durchsehen und Aussortieren versteht man das Aufteilen der Schirmteile in die Gruppen erste Wahl, zweite Sorte und nichtverwendbare Teile, sowie die Sortierung nach Muster. Nur dadurch ist eine ordentliche Weiterverarbeitung m\u00f6glich.<\/em> <em>Bevor wir mit dem eigentlichen Arbeitsgang beginnen, kontrollieren wir den Auftrag auf Farbunterschiede und Zuschnittgenauigkeit. Es gibt zwei Arten von Teilen: Erstens Randteile sind Teile, welche mit dem Boden an der Webkante lagen. Mit dem Abschneiden der Webkante k\u00f6nnen bei einer 60fachen Zuschnittauflage, Musterabweichungen entstehen und es werden deshalb diese Teile auch am Boden nach Muster sortiert.\u00a0 Zweitens Mittelteile sind Teile, welche mit dem Boden am eingewebten Trennstrich lagen. Diese haben durchlaufend das gleiche Muster am Boden und m\u00fcssen nicht nochmals sortiert werden.<\/em><br>[Das Durchsehen- Auszug aus den Unterlagen der ehemaligen Lehrausbilderin Frau Munzert]<\/p>\n\n\n\n<p>Das Durchsehen war immer mit langem Sitzen verbunden, erz\u00e4hlt Frau Lehmann. Das lag ihr nicht und sie wechselte sp\u00e4ter in den Zuschnitt, wo sie mehr Bewegungsfreiheit hatte. Ein Auftrag waren immer zwei Rollen. Auf einer Rolle befand sich ca. 860m Stoff, welcher auf eine lange Tafel aufgezogen wurde. Frau Lehmann lief 7 Meter hin und 7 Meter zur\u00fcck bis der Stoff ausgelegt war. Am Schluss waren es 120 Auflagen. Wenn du gut warst als Zuschneiderin und voll gearbeitet hast, wie die R. Sonja, dann kannst du zum Beispiel vier Auftr\u00e4ge am Tag schaffen. Normal habe ich drei geschafft, bin aber auch um zwei nach Hause. Es gab aber auch eine \u00e4ltere Frau, die hat nur zwei Auftr\u00e4ge geschafft, was ihr ausreichte, da sie alleinstehend war. Auch k\u00f6rperlich hatte sie es einfach nicht geschafft, zumal wir im Sommer Temperaturen von 30Grad hatten. Der Zuschnitt befand sich ganz oben, im dritten Stockwerk, erg\u00e4nzt Frau Lehmann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich nutze hin und wieder Ebay, um nach Dingen, die mit der Schirmfabrik in Zusammenhang gebracht werden k\u00f6nnen, zu schauen. Ein Angebot l\u00e4sst mich staunen: Es werden Beutelecken zum Kauf angeboten. Der Startpreis liegt bei 2,50\u20ac und die Laufzeit betr\u00e4gt noch 6 Tage. 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