{"id":489,"date":"2020-11-21T16:09:00","date_gmt":"2020-11-21T16:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/adorferfrauen.de\/?p=489"},"modified":"2024-05-08T09:35:21","modified_gmt":"2024-05-08T09:35:21","slug":"bis-an-den-bodensee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/adorferfrauen.de\/?p=489","title":{"rendered":"Bis an den Bodensee"},"content":{"rendered":"\n<p>In der B\u00e4ckerei Viertel in Adorf entdecke ich in einem Regal neben Gl\u00e4sern mit Pflaumenmus Schirmbeutel. Die zwei Euro pro Beutel kommen dem Heimatverein zu Gute. Ich entscheide mich f\u00fcr einen Bordeauxfarbenen. Die Teile an den Seiten zeigen im Rapport eine ca. 2cm gro\u00dfe Figur in schwarzer Herrenbekleidung mit Hut, wei\u00dfem Oberhemd, Aktentasche und Stockschirm. Das mittlere Teil hat unterschiedlich breite dunkelrote, schwarze, bronzefarbene und graue Streifen.<br> <\/p>\n\n\n<p><!--more--><\/p>\n\n\n<p>Ich frage Frau Arnold, ob sie von dieser Aktion geh\u00f6rt hat. Sie meint, es ist bestimmt auf Initiative von Frau Schindler und Frau Speck entstanden. Beide Frauen sind im Kl\u00f6ppelverein und waren fr\u00fcher Kollegen in der Schirmfabrik.<br>Von Frau Speck, die von 1971 bis 1990 im Gestellager arbeitete, erfahre ich sp\u00e4ter, dass sie w\u00e4hrend des ersten Lockdowns in der Corona-Zeit 32 Beutel n\u00e4hte und diese beim B\u00e4cker zum Verkauf angeboten hat. Ich erz\u00e4hle ihr, dass ich letztens einen dort kaufte, woraufhin sie lacht. Die Idee ist bei den Kl\u00f6pplerinnen angesto\u00dfen worden. Sie und Frau Schindler haben halbfertige Beutel von einer fr\u00fcheren Kollegin bekommen und diese anschlie\u00dfend zu Hause fertig gen\u00e4ht.<br>W\u00e4hrend unseres Gespr\u00e4ches holt Frau Speck vom Dachboden ihres Hauses Beutel, Teile und Taschen. Sie zeigt mir eine Umh\u00e4ngetasche. Sie besteht aus schwarzen zusammengen\u00e4hten Streifen. Innen wurde die Tasche abgef\u00fcttert. Sie hat mehrere F\u00e4cher und ist mit einem Rei\u00dfverschluss versehen. Fr\u00fcher wurde meist ein Etikett darauf gen\u00e4ht, oft aus alten Hemdkragen, was irgendwie nach Werbung aussah, erz\u00e4hlt Frau Speck, weil es so was in der DDR nicht gab.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"368\" height=\"656\" src=\"https:\/\/adorferfrauen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/serigrafie_work.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-495\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Souvenir<em>, Serigraphie, 2020<\/em>, Lysann N\u00e9meth<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ihr Mann kommt dazu und erz\u00e4hlt, dass er fr\u00fcher viele Beutel mit in den Betrieb genommen hat. Im Wohnungs-baukombinat in Karl-Marx-Stadt hatte er als Tischler gearbeitet.<br>Frau Speck zeigt mir die Beutel, die laut Silke, der B\u00e4ckerin, heute am Begehrtesten sind und sagt, dass alle vom ersten Stoss bereits verkauft wurden.<br>\u201eNun sehen sie mal, was ich mir alles noch vorgenommen habe, wenn Winter wird und ich meine Weihnachtsecke fertig habe, dann n\u00e4he ich auch wieder Beutel.\u201c<br>Nach unserem Gespr\u00e4ch laufe ich beim B\u00e4cker vorbei und erkundige mich nach den Beuteln. Am liebsten werden Schwarz-Bunte genommen, sagt die B\u00e4ckerin. Es sind junge Leute aus dem Ort, die diese Beutel kultig finden. Andere verpacken darin Stollen und schicken sie Verwandten an den Bodensee. Manche haben auch schon nach Vorbestellungen gefragt. Zum Abschied sage ich ihr noch, dass ich gerade bei Frau Speck war und Nachschub in Arbeit ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der B\u00e4ckerei Viertel in Adorf entdecke ich in einem Regal neben Gl\u00e4sern mit Pflaumenmus Schirmbeutel. Die zwei Euro pro Beutel kommen dem Heimatverein zu Gute. Ich entscheide mich f\u00fcr einen Bordeauxfarbenen. 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